Article on the Museum in German |
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Miseratione non Mercede" Link to Museum Guide in German OP-Termin auf dem Dachboden Es war später Vormittag an einem grauen Januartag mit dem für London typischen Niesel-regen, als ich in die St-Thomas' Street einbog. Beinahe hätte ich den Eingang zum gesuchten Ort übersehen. Diese Gegend in der Nähe der London Bridge sah nicht gerade nach einem Klinikviertel aus. Offensichtlich befand sich der Eingang in einem alten Kirchturm. Der Wegweiser zeigte nach oben, auf eine abenteuerliche und äußerst enge Wendeltreppen-kon-struktion von mindestens zehn Meter Höhe. Ein Hintereingang, dachte ich. Blutige Vorstellung im Operationstheater Oben angekommen führten wenige Schritte zum Operationsraum. Ich
ging durch die Tür und nach drei Treppenstufen stand ich urplötzlich
in der Mitte des obersten Ranges eines halbrun-den Operationstheaters.
Das hatte ich nicht erwartet: Der Raum war nicht in kli-nischem Weiß
gehalten, sondern erschien durch natürliches Tageslicht, das durch
ein Glas-dach im Giebel einfiel, in zarte Grün- und Beigetöne
getaucht. Auf den oberen Rängen herrschte drangvolle Enge und beständiges
unruhiges Geschiebe der Zuschauer, die dicht gepackt wie die Heringe im
Fass einen Blick auf das Geschehen des Operationsbereiches zu erhaschen
suchten. Es roch übel. Kopf runter!" hörte man immer
wieder rufen. Die meisten Zuschauer sahen wie Medizinstudenten aus. Allerdings
schienen sich auch Neugierige von der Straße unter dem Publikum
zu befinden, die mit bleichem Gesicht zuschauten. Jedenfalls war bei dem
Gedränge kaum auszumachen, was unten vor sich ging. Kirche, Kräuterapotheke und Krankenhaus Das Old Operating Theatre, Museum and Herb Garret, verdankt seine heutige
Existenz als wahrscheinlich einziges am Originalort im Zustand des 19.
Jahrhunderts erhaltenes Operationstheater einer Reihe seltener und glücklicher
Umstände. Die St. Thomas's Church war im 17. Jahrhundert in den Gebäudekomplex
des bereits im 13. Jahrhundert erwähnten St. Thomas's Hospital integriert.
Aus Platzmangel entschloss man sich während der 1820er Jahre den
ungenutzten Dachboden der Kirche für das Krankenhaus St. Thomas zu
nutzen. Dies schien ein idealer Ort für einen chirurgischen Operationsraum
zu sein, da durch ein Oberlicht im Dachstuhl gute natürliche Beleuchtungsverhältnisse
geschaffen werden konnten. Kerzenlicht und später Gasbeleuchtung
waren dafür nur ein schwacher Ersatz. Schauplatz der Medizingeschichte Im Jahr 1956 stieß man im Rahmen der Erforschung der Geschichte des St. Thomas°s Hospital auf den verwunschenen Dachboden im Dornröschenschlaf, öffnete ihn und fand noch einen Großteil des Originalmobiliars vor. Glückliche Zufälle ermöglichten die weitgehend originalgetreue Wiederherstellung des Operationstheaters in den Zustand seiner Benutzung während des 19. Jahrhunderts. Dieses einzigartige Museum auf dem Dachboden einer barocken Kirche beherbergt heute die restaurierte Kräuterapotheke (Herb Garret) und das Operationstheater sowie Sammlungen medizinhistorischer Objekte zur Gynäkologie und Geburtshilfe, chirurgische Instrumente, Aderlass- und Schröpfinstrumente, medizinische Lehrmittel, pathologische Präparate, getrocknete Heilkräuter und Apothekerbedarf sowie Informationen zur Geschichte der Krankenpflege, Anästhesie, antiseptischen Chirurgie und des St. Thomas's Hospital. Wer historisch interessiert ist, sollte diese Zeitreise in die jüngere Vergangenheit der Medizin keinesfalls verpassen. Dr. med. Eberhard J. Wormer The Old Operating Theatre, Museum and Herb Garret
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